Geschichte von Sennheiser

Das Unternehmen Sennheiser wurde am 1. Juni 1945 als Laboratorium Wennebostel (kurz: Labor W) von Fritz Sennheiser gegründet. In Wennebostel befand sich zuvor das Institut für Hochfrequenztechnik und Elektroakustik der Technischen Hochschule Hannover, das aufgrund von Kriegsschäden aus Hannover nach Wennebostel in die „Villa Hausmann“ verlegt worden war. Nach Kriegsende kehrten die meisten Mitarbeiter des Instituts, die aus ganz Deutschland stammten, zurück nach Hause. Nur sieben Mitarbeiter aus der Region sowie der aus Berlin stammende Fritz Sennheiser blieben in Wennebostel.

Fritz Sennheiser beschloss, mit seinen Ersparnissen einen Handwerksbetrieb zu gründen. Allerdings konnten Sennheiser und seine Mitarbeiter nicht auf ihrem bisherigen Gebiet weiterarbeiten, da dieses von den Alliierten nicht gestattet worden war. Das Institut für Hochfrequenztechnik und Elektroakustik arbeitete während des Krieges für die Wehrmacht im Bereich Chiffrierungstechnik. Deshalb produzierte das junge Unternehmen zuerst Messgeräte wie Voltmeter, die das ehemalige Institut schon früher für den Eigenbedarf hergestellt hatte. Diese Voltmeter verkaufte Fritz Sennheiser an Siemens, der nach Kriegsende von seinen Lieferanten abgeschnitten war. Siemens finanzierte die Aufträge für die Voltmeter an das Labor W vor. 1946 bekam das Laboratorium Wennebostel wiederum von Siemens den Auftrag, ein Mikrofon eines österreicherischen Zulieferers nachzubauen, weil dieser nicht mehr produzieren konnte. Labor W nahm diesen Auftrag, der erneut vorfinanziert wurde, an und nannte das Produkt MD1.

1947 präsentierte das Labor W dann eine Weiterentwicklung des österreichischen Modells, das MD2, welches das erste selbstständig entwickelte Mikrofon des Unternehmens wurde. Mit den Jahren wurde die Produktpalette Stück für Stück erweitert. 1949 kamen Geophone hinzu.

Vier Jahre später beschäftigte das Laboratorium Wennebostel bereits 94 Mitarbeiter. 1956 entwickelte das Labor W das erste Richtrohrmikrofon und stellte ein Jahr später bereits 100 verschiedene Produkttypen her.

Im folgenden Jahr wurde das Laboratorium Wennebostel in „Sennheiser electronic“ umbenannt, um deutlich zu machen, dass es kein einfaches Labor mehr, sondern ein moderner Industriebetrieb mit über 450 Beschäftigten war. Mit der Umbenennung sollte vor allem die eigene Marke gestärkt werden. Sennheiser war zuvor vor allem Zulieferer für große Elektronikunternehmen wie z.B. Siemens und Grundig, jetzt war das Unternehmen bemüht, eigene Produkte auf den Markt zu bringen. Der Grund dafür war, dass die Margen im Zuliefergeschäft sanken. Folglich wurde es für Sennheiser attraktiver, für den Privatmarkt zu produzieren.

Zu Beginn der 1960er Jahre wurde das Auslandsgeschäft gestärkt und neben dem Produktionsstandort in Wennebostel weitere „Werkbänke“ in Burgdorf und Soltau errichtet. Im Jahr 1958 wurde Fritz Sennheiser zum Honorarprofessor an der TH Hannover ernannt und referierte dort über Elektroakustik. 1965 war Sennheiser nach eigenen Angaben die größte Spezialfirma für Mikrofone in Deutschland.

20 Jahre nach der Firmengründung geriet das Unternehmen in ernste Schwierigkeiten. Billigere Produkte aus dem asiatischen Raum, vor allem aus Japan, machten Sennheiser Konkurrenz. Die Produktpalette musste überarbeitet werden, um konkurrenzfähig zu bleiben.

1968 brachte Sennheiser den ersten offenen Kopfhörer der Welt auf den Markt. Dieser Kopfhörertyp erhöhte den Tragekomfort und sorgte dafür, dass Kopfhörer weltweit zu einem wichtigen Standbein Sennheisers wurden. Anfang der 70er Jahre erwirtschaftete Sennheiser bereits 40% seines Umsatzes im Ausland.

1973 wurde Sennheiser in eine Kommanditgesellschaft (KG) umgewandelt. Fritz Sennheiser wurde Gesellschafter, sein Sohn Jörg Kommanditist und drei Jahre später auch Technischer Leiter. 1977 wurde das Werk in Soltau geschlossen und die Produktion in Burgdorf ausgebaut, weil dort ein neues Produktions- und Verwaltungsgebäude erworben worden war. Hier wurde nun die Kopfhörerproduktion konzentriert.


Sennheiser-Mikroport Solo SKM 4031

Am 9. Mai 1982 vollzog sich bei Sennheiser ein Generationswechsel. Jörg Sennheiser wurde Geschäftsführer, Fritz Sennheiser Kommanditist. Fünf Jahre später erhielt das Unternehmen einen Academy Award (Oscar) für das Richtmikrofon MKH 816.

Ende der 1980er Jahre sanken die Gewinnmargen bei Kopfhörern, die seit der Markteinführung des offenen Kopfhörers ein wichtiger Umsatzbringer für Sennheiser geworden waren, stetig. Sennheiser beschloss, ein Werk in Irland zu errichten, in dem die Kopfhörerproduktion konzentriert wurde. Das Werk öffnete im Jahr 1991. Im selben Jahr übernahm Sennheiser den in Zahlungsschwierigkeiten geratenen Studiomikrofonhersteller Georg Neumann aus Berlin. Im Zuge der Sanierung wurde die Produktion der Mikrofone von Berlin nach Wennebostel verlagert. Die anderen Produktionsbereiche Neumanns wurden aufgegeben.

Anfang der 1990er wurde mit dem Sennheiser Orpheus der teuerste Kopfhörer der Welt in limitierter Stückzahl produziert. Im Jahr 1996 änderte sich die Unternehmensform von einer Kommanditgesellschaft zu einer GmbH & Co. KG. Jörg Sennheiser wechselte in den neu geschaffenen Aufsichtsrat und übergab die Leitung des Unternehmens an zwei Geschäftsführer, Stefan Exner und Rolf Meyer. Er bestimmt jedoch als Vorsitzender des Aufsichtsrates weiterhin die Geschicke Sennheisers. Im selben Jahr erhielt Sennheiser einen Emmy Award für die Verdienste bei der Entwicklung drahtloser Mikrofone. Ein Jahr später richtete Sennheiser in Burbank (Kalifornien) eine Außenstelle für Forschung und Entwicklung ein. Im Jahr 1998 erhielt Sennheiser den Innovationspreis der deutschen Wirtschaft und konnte diesen ein Jahr später erneut gewinnen. Ebenfalls 1999 konnte die Sennheiser-Tochter Georg Neumann einen Grammy Award entgegennehmen. Im Jahr 2000 weiht Sennheiser sein viertes Werk ein. In Albuquerque (New Mexico) werden seitdem drahtlose Produkte für den amerikanischen Markt produziert.

Das Jahr 2000 war auch das Jahr der EXPO 2000, die Sennheiser als „Produkt Partner für Professional Sound“ unterstützte. Am Sennheiser-Stand wurden fast eine Million Besucher gezählt. Drei Jahre später wurden die Sennheiser-Mitarbeiter Dr. Wolfgang Niehoff und Rolf Meyer für den Deutschen Zukunftspreis nominiert, und Sennheiser ging ein erstes Joint Venture ein, in Kopenhagen wurde gemeinsam mit der dänischen William-Demant-Holding Sennheiser Communications A/S gegründet. Im Jahr 2005 feierte die Sennheiser-Gruppe ihr 60-jähriges Bestehen. Im gleichen Jahr wurde der Lautsprecherhersteller Klein und Hummel Teil des Unternehmens.

Schlagzeilen macht Sennheiser bundesweit durch die Beschlagnahme von etwa 50000 Kopfhörern des Kaffeerösters Tchibo im März 2006. Sennheiser wirft Tchibo eine Verletzung eines Patents für faltbare Kopfbänder vor. Erst im Januar 2007 einigt man sich.

Im Oktober 2006 gründete Sennheiser gemeinsam mit dem bisherigen Partner ispa eine Vertriebsgesellschaft in Russland.

Am 9. Januar 2007 löste Volker Bartels Rolf Meyer an der Spitze der Unternehmensleitung ab.

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